Was ist Karate?

Quelle: Medizinisches Handbuch des ÖKB
Zusammengefasst von Dr med. Thomas Hausner,
Leiter der medizinischen Kommission des ÖKB
Zusammenfassend betrachtet entstammt Karatedo einer Kunst mit leeren Händen zu kämpfen, die seit langer Zeit auf der Insel Okinawa im Verborgenen unterrichtet wird. Es handelt sich dabei um eine subtile Kunst der Selbstverteidigung, die es erlaubt mit verschiedensten technischen Mitteln einen Gegner zu besiegen. Man setzt hierfür die verschiedenen Körperpartien rationell und effizient ein, zum Beispiel mit geraden und kreisförmigen Fauststößen, mit Beintritten und außerdem mit Wurf-, Hebel- und Festhaltetechniken.

Aber das wahre Karatedo ist nicht eine einfache Kampfkunst. Sein oberstes Ziel ist Körper und Geist zu schmieden.
Denn diese Kunst wurde, historisch gesehen, geübt und vertieft mit dem Ziel die Würde eines Weisen zu erreichen.
Die Anhänger des Karatedo müssen über die beiden folgenden Maximen nachdenken: "die Kunst der Faust ist die Kunst des Weisen" (kunshi-no-ken) und "Karate beginnt nicht mit einem Angriff" (karate-ni-sente-nashi). Dies dürfen sie nie vergessen.

Diese Definition des Karate (bzw. korrekt Karatedo = "Weg der leeren Hand") stammt von Kenei Mabuni, einem japanischen Großmeister des Karate. Karatedo ist nur eine unter vielen aus Japan stammenden Kampfkünsten, die unter der Bezeichnung Budozusammengefaßt werden und nach dem zweiten Weltkrieg sich über die ganze Welt verbreitet haben. Aus einer ursprünglich nicht nur als Kampftechnik, sondern auch als Lebensschule konzipierten Kunst hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts eine Disziplin entwickelt, die versucht dem Zeitgeist zu entsprechen.
Um modernen Ansprüchen gerecht zu werden hat sich einerseits eine Wettkampfdisziplin entwickelt, das Sport-Karate, das auf internationaler Ebene von der World Karate Federation (vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannt) vertreten wird. Man sieht im Sport-Karate sehr dynamische Kämpfe mit schnellen Technikkombinationen und teilweise spektakulären Beintechniken sowie zunehmend auch Wurftechniken. Gefährliche Techniken, wie bestimmte Wurftechniken (z. B. Schulterwürfe), der Großteil der Schlagtechniken mit offener Hand, sowie Hebel- und Festhaltetechniken wurden eliminiert, um die Sportler nicht zu gefährden. Es wurden Regeln eingeführt, die ebenso dem Schutz der Sportler und der Entwicklung des Sportes dienlich sind.
Andererseits gibt es das sogenannte „traditionelle“ Karate oder auch „Budo-Karate“, das versucht dem ursprünglichen Geist des Karate gerecht zu werden, soll heißen nicht nur Kampftechnik zu sein, sondern auch Lebensschule. Bestimmte Aspekte des Karate, wie Kata (= Formenlauf) und deren Techniken in der Anwendung, sowie Konzentration, Selbstkontrolle und Respekt vor dem Gegner werden betont.
Es gibt 4 große Karateschulen, die sich in ihren Bewegungskonzepten und Kampfstrategien, sowie teilweise in den Kata unterscheiden: Goju-ryu, Shito-ryu, Shotokan und Wado-ryu.
Obwohl nicht offensichtlich ist Karatedo eine Kampfkunst die sich mit dem Anspruch entwickelt hat der Gesundheit förderlich zu sein. Sowohl akuten, wie auch chronischen Schäden am Bewegungsapparat wurden und werden in Japan und Okinawa durch jahrelange intensive Vorbereitungen des Körpers auf zu erwartende Belastungen minimiert. Ein Teil des Bewegungsschatzes, vor allem in den sogenannten Kata, entstammt auch direkt bewegungsorientierten Schulen chinesischer Medizin, wie zum Beispiel dem Qiqong. Im Gegensatz zu zahlreichen altgedienten Karate-Sportlern im sogenannten Westen gibt es zahlreiche alte japanische Karate-Meister, die zeigen wie sehr sich Karatedo und Gesundheit vereinbaren lassen. Als Beispiele seien hier YAGI Meitoku, ein Großmeister des Goju-ryu Karatedo, angeführt und NAGAMINE Shoshin, ein Großmeister des Shorin-ryu Karatedo, die beide bis ins hohe Alter täglich in der Früh von 5 bis 6 Uhr eine Stunde trainiert und sich bester Gesundheit erfreut haben.