Sprache

Kurze Einführung in die asiatische Sprache

Mit Unbehagen stolpert der Anfänger oft über die beim Ersten ansehen seltsam klingenden Karate-Fachausdrücke. Die er nur mit Not aussprechen und noch viel weniger behalten kann.

Muss man beim Karate wieder Vokabeln lernen?

Kann man nicht alles ebenso gut auch in unserer Sprache sagen?
Diese Fragen werden immer wieder gestellt.
Der Grund, die Asiatischen Originalbezeichnungen beizubehalten, ist schnell erklärt. Die Budokünste (Oberbegriff für alle Japanischen Kriegs- und Ritterkünste) sind keine nationale Angelegenheit, sie werden in der ganzen Welt gelehrt und ausgesprochen. Die Japanischen Fachausdrücke haben sich anfänglich missglückten Übersetzungsversuchen überall durchgesetzt. Man hört sie auf Lehrgängen, liest sie in Fachzeitschriften und Büchern. Auch die Kampfrichter machen bei internationalen Meisterschaften Gebrauch.
Sie sind meist kurz und unmissverständlich und so dem Karatesportler in aller Welt bekannt. Sie bilden damit eine Fachsprache mit der man sich auch gegenüber Budosportlern anderer Nationalität verständlich machen kann. In einer Zeit, in der Tradition belächelt und Ehrfurcht vergessen wird, bekennt sich der Karatesportler mit der Benützung der Originalsprache zu den Schöpfungen der Budogründer Kano, Funakoshi, Othsuka, Uyeshiba, um nur einige zu nennen.
Der Karateka ehrt sie, wenn er diese Begriffe in der Sprache des Ursprunglandes nennt.
Die Schreibweise kommt aus den englischen, sie trifft aber nicht immer die richtige Sprechweise. So werden zum Beispiel alle Silben fast gleich stark betont. Man hört kaum, auf welcher Silbe die Betonung liegt.
Zum Beispiel: KARATE man sagt nicht KARA-TE
Die einzelnen Laute (a, e, i, o, u) werden in den meisten Fällen einzeln, jeder für sich ausgesprochen. Zum Beispiel: SASAE = SSA-SSA-E. SH ist ähnlich dem spanischen "S", ein schwaches "sch", das mehr dem "CH" in dem Wort sich ähnelt. Es hat dabei einen schwachen Zischlaut.
Zum Beispiel: OTOSHI = O-TOS-CHICH entspricht einem D+SCH zum Beispiel: UCHI = DU-SCHI, DACHI = DAD-SCHI
H neigt etwas nach "CH" wie im Wort "Dach", zum Beispiel: HIZA = CHI-SA
Z ist das "S" im Wort "Rasen", zum Beispiel: WAZA = WA-SA
S ist das "ß" zum Beispiel: SOTO = ßO-TO
Y wird wie "J" gesprochen, zum Beispiel: YOKO = JO-KO
J gleicht dem englischen "G" in "Germany", zum Beispiel: JUDO = DJU-DO
U wird in der Umgangssprache am Ende oft ausgelassen oder kaum hörbar gesprochen, zum Beispiel: KIRITSU = KIRITS
Der Japaner kennt keine Mehrzahl durch Anhängung eines "S" in unserem Sinne. Dieses "S" kann also in jedem Fall weggelassen werden.
Zum Beispiel: der KARATEKA - die KARATEKA / eine KATA - drei KATA / ein DOJO – zwei DOJO

Gebräuchliche Ausdrücke

Kara = leer, unbewaffnet
Te = Hand
Do = Weg, Lehre
Karate (leere Hand)
Karate-do = der Weg der lehren Hand
Zanshin = besondere geistige Wachheit, Geistesgegenwart, totale Achtsamkeit
Wa = Einklang, Harmonie, Frieden
Ryu = Stilrichtung, Schule, Schulungs-Methode
Wado-Ryu = Stil des Fredensweges
Go = hart
Ju = weich, sanft
Goju-Ryu = Hart-weich-Stil
Karateka = Karate- Ausübender
Karategi = Karate-Bekleidung
Gi = Kurzform für die Karatebekleidung (von GIMONO)
Dojo = Ort, an dem ein Weg beschritten wird, Trainingsraum
Sensei = Lehrer, meist ranghöchster Danträger im Dojo
""
Ki (1) = Grundlage, Basis, Fundament
Kihon = Grundschule
Kihon Ido = Grundschule am Stand
Kihon-Waza = Grundtechnikern
Ki (2) = Lebensenergie (identisch mit dem chinesischen Chi)
Kiai = Kampfschrei, "Geistes-?Begegnung", Manifestation des Ki in der Technik
Kime = Kraftkonzentration, Brennpunkt, Verwendung des Ki in der Technik
Kata = Form, stilisierter Kampf gegen imaginäre Gegner
Kumite = Partnerübung, Kampfübung
Ippon = Voller Punkt nihon = 2 Punkte sanbon = 3 Punkte (Wettkampf)
Ippon-Kumite = Partner Kampf, Angriff und Abwehr mit einem Punkt
Mawate = Wendung
Rei = Gruß, Verbeugung
Ritsu-Rei = Gruß (Verbeugung) im Stand
Za-Rei = Gruß (Verbeugung) im Sitzen (Seiza))
Sei-Za = ruhiges Sitzen, wobei beide Beine (Füße) unter das Gesäß gebracht werden
Sei = Ruhe, physisches Gleichgewicht
Za = Sitz, Platz
Yoi = Achtung! Erhöhung von Konzentration und Aufmerksamkeit
Mokuso = die Gedanken schweben lassen, im Geist frei werden
Yame = Ende, Schluss
Sensei-Ni = ausrichten der Kämpfer zum Lehrer
Sensei-Ni-Rei = ausrichten mit Gruß der Kämpfer zum Lehrer
Otagai-Ni-Rei = ausrichten und den/die Kollegen grüßen
Kiritsu = aufstehen, aufrichten
Oss! = Grußlaut, Zeichen für eine zustimmende Haltung usw.
Waza = Technik
Kyu = Stufe, Rang, Grad (dieser Ausdruck wird bei den Farbgurtgraden verwendet)
Dan = Stufe, Rang, Grad (dieser Ausdruck wird bei den Schwarzgurtgraden verwendet)
Jodan = obere Stufe
Chudan = untere Stufe
Gedan = untere Stufe
Shodan = Grundstufe
Nidan = Stufe 2, Sandan = Stufe 3 usw.
Shizen-Tai = Ausgangsstellung, natürliche Grundstellung
Dachi = Stellung, Stand, Position der Füße
Hachiji-Dachi = entspannte Grundstellung (Füße schulterbreit)
Renoji Dachi = L-Stellung
Musubi-Dachi = Grußstellung (Ritsu-Rei)
Heisoku Dachi = geschlossene Parallel-Stellung
Kiba-Dachi = breite seitliche Stellung (Füße parallel)
Shiko-Dachi = breite seitliche Stellung
Heiko Dachi = schmale seitliche Stellung (Füße parallel)
Zen-Kutsu-Dachi = lange Vorwärts-Stellung zum Vor- und Zurückgehen
Ko-Kutsu-Dachi = Rückwärts-Stellung
Fudo-Dachi = "feste, unerschütterliche Stellung"
Moto-Dachi = kurze Stellung zum Vor- und Zurückgehen
Sanchin-Dachi = kurze Stellung zum Vor- und Zurückgehen ("Sanduhr-Stellung")
Neko-Ashi-Dachi = Katzenfuß-Stellung
Te = Hand
Te-Waza = Handtechnik
Tsuki = Stoß
Tsuki-Waza = Stoßtechnik
Seiken = Vorderfaust
Seiken-Zuki = Stoß mit der Vorderfaust (im Stand)
Oi-Zuki = gleichseitiger Fauststoß im Vor- oder Rückwärtsgehen (Zen-Kutsu-Dachi, Moto-Dachi)
Gyaku-Zuk?i = verkehrter Fauststoß im Vor- oder Rückwärtsgehen (Zen-Kutsu-Dachi, Moto-Dachi)
Mawashi Zuki = Halbkreis-Stoß
Morote Zuki =beidhändiger Fauststoß
Heiko-Zuki = Parallel-Stoß mit beiden Fäusten
Yama Zuki = "Bergstoß"
Kagi Zuki = Hakenstoß
Kizami-Zuki = Prellstoß (im Vorwärtsgleiten)
Ren-Zuki = links-rechts-Stoß
Age Zuki = aufsteigender Stoß
Ura Zuki = Stoß mit verkehrter Faust
Tate Zuki = Stoß mit senkrechter Faust
Nukite = "Handspieß", Fingerspitzen
Yonhon Nukite = Vierfingerspitzen (-Stoß)
Nihon Nukite = Zweifingerspitzen (-Stoß)
Ippon Nukite = Einfingerspitzen (-Stoß)
Uchi = Schlag
Uchi-Waza = Schlagtechnik
Uraken-Uchi = Rückfaust-Schlag
Shuto-Uchi = Schlag mit der Handaußenkante (Kleinfingerseite)
Haito-Uchi = Schlag mit der Handinnenkante (Daumenseite)
Tettsui = Hammerfaust
Tettsui-Uchi = Hammerfaustschlag
Furi-Uchi = schwingender Schlag
Empi-Uchi = Ellbogenschlag
Shotei Uchi oder Teisho Uchi = Schlag mit dem Handballen
Haishu-Uchi = Schlag mit dem Handrücken
Keri = Tritt
Keri-Waza = Beintechnik
Keri keage = geschnappter Fußschlag
Keri kekomi = gestochener Fußst?oß
Mae-Geri = Vorwärts-Fußtritt
Mae-Tobi-Geri = Vorwärts-Sprungtritt
Mawashi-Geri = Halbkreisfußschlag
Ura-Mawashi-Geri = verkehrter Halbkreisfußschlag
Ushiro-Mawashi-Geri = Halbkreisfußschlag nach hinten
Hiza Geri = Kniestoß
Mikazuki-Geri = "Halbmond"-Fußschlag
Ushiro-Geri = Fußtritt nach hinten
Ushiro-Tobi-Geri = Rückwärts-Sprungtritt
Kansetsu-Geri = Tritt ins (Knie-) Gelenk
Yoko-Geri = Fußtritt zur Seite
Yoko-Tobi-Geri = Seitwärts-Sprungtritt
Sokuto (Geri) = Fußtritt mit der Fußaußenkante
Fumikomi = Stampftritt
Nidan Geri = Zwei-Stufen-Tritt (Schlag)
Tori = Angreifer
Uke = Abwehr, Block, Verteidigung, auch: Verteidiger
Uke-Waza = Block-Technik
Jodan-Uke = Block obere Stufe
Chudan Uke = Block mittlere Stufe
Gedan Uke = Block untere Stufe
(Jodan) Age Uke = aufsteigender Block (zur oberen Stufe)
Yoko Uke = seitlicher Block
Soto (Ude)-Uke = Block von außen nach innen (mit dem Arm = Ude)
Uchi (Ude)-Uke = Block von innen nach außen (mit dem Arm = Ude)
Haishu-Uke = Block mit dem Handrücken
Shotei Uke oder Teisho Uke = Block mit dem Handballen
Harai oder barai = fegen
Gedan-Barai = (Fege-) Block nach unten
Shuto-Uke = Block mit der Handaußenkante (Kleinfingerseite)
Haito-U?ke = Block mit der Handinnenkante (Daumenseite)
Mawashi-Uke = Kreis-Block
Kake-Uke = Haken-Block
Tekubi Kake Uke = Block mit dem Handgelenk
Koken-Uke = Block mit dem Handgelenk
Sukui Uke = Schaufel-Block
Tsukami Uke = Greif-Abwehr
Morote Uke = beidhändiger Block
Morote Yoko Uke = beidhändiger seitlicher Block
Juji-Uke = Kreuz-Block
Kakiwake Uke = Keil-Bock
ichi = eins
ni = zwei
san= drei
shi oder yon = vier
go = fünf
roku = sechs
shichi oder nana = sieben
hachi = acht
kyu oder ku = neun
ju = zehn
Die Endvokale werden im allgemeinen nicht betont, sondern fast völlig verschluckt.